Wenn Lob die Freude stiehlt
Jedes Kind verdient es, sich authentisch über seine Erfolge zu freuen. Wenn unsere Tochter stolz ihr selbstgemaltes Bild zeigt oder unser Sohn begeistert von seinem gelösten Mathematikrätsel erzählt, dann ist das sein oder ihr Moment. Ein schnelles "Toll gemacht!" kann diese echte Freude überlagern und das Kind dazu bringen, nicht mehr auf das eigene Gefühl zu hören, sondern auf unsere Bewertung zu warten.
Besonders problematisch kann es werden, wenn Lob zur Manipulation wird. "Gut, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast!" klingt freundlich, aber dahinter steht eine klare Botschaft: Du bekommst meine Anerkennung, wenn du tust, was ich will. Wir nutzen das natürliche Bedürfnis des Kindes nach Zuwendung, um bestimmte Verhaltensweisen zu verstärken. Das Kind lernt: Liebe und Wertschätzung sind an Bedingungen geknüpft. Diese bedingte Anerkennung ist das Gegenteil von der bedingungslosen Liebe, die Kinder brauchen.