Lukas, Content-Creator von BARMER Durchblickt, blickt vor einem grünen grafischen Hintergrund mit Video-Symbol in die Kamera; das Bild gehört zu einem Beitrag über ADHS und Schule. DGK_Blogs_Content-Creators_Covers_Lukas.jpg

Tipps

ADHS und Schule

11. Nov. 2025

ADHS bedeutet besondere Bedürfnisse, keine Schwäche. So helfen Eltern mit Struktur, Geduld und Bewegung ihrem Kind, in der Schule aufzublühen – wissenschaftlich fundiert, ohne Schuldgefühle, mit konkreten Tipps für Kooperation und Alltag.

 

Wie können Eltern Ihre Kinder unterstützen?

Zuallererst sollten die großen Elefanten im Raum beseitigt werden: Schuldgefühle und Vorurteile. Eltern sind nicht schuld an der ADHS ihres Kindes. ADHS ist keine Erziehungsfrage, sondern eine neuronale Entwicklungsstörung mit spezifischem Bedarf in einem Schulsystem, das darauf kaum ausgerichtet ist. Das bedeutet oft mehr Arbeit und emotionale Belastung – aber keine Schuldfrage. Ein Austausch mit anderen Eltern kann helfen, diese Gefühle zu reduzieren, Tipps zu sammeln und ADHS nicht nur als Störung zu sehen.

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ADHS und Schule

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Zwischenüberschriften und Sprecherbezeichnungen wurden zur besseren Orientierung redaktionell ergänzt.
Dieses Transkript wurde mithilfe von KI erstellt und kann vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten.

Verständnis für ADHS schaffen

Lukas Maher

ADHS und Schule. Das ist, hoffe ich, ein nicht so ganz unkompliziertes Thema. Als jemand, der selbst die Diagnose ADHS hat und als Psychotherapeut arbeitet, kenne ich das Thema natürlich von verschiedensten Seiten. Und in dem Video soll es um ein paar Tipps gehen, was man als Eltern machen kann, um die eigenen Kinder in der Schulzeit bestmöglich zu unterstützen.

Ich glaube, am wichtigsten ist erst mal, Verständnis zu schaffen. Sowohl über die Diagnose ADHS, aber auch über alternative Erklärungen. Zum Beispiel das Paradigma der Neurodiversität, das ja besagt, dass ADHS nicht per se eine Krankheit ist. Das ist sie auch nicht. Sondern es ist ja, wenn dann, eine neuronale Entwicklungsstörung. Sondern dass ADHS auch eine neurobiologische Besonderheit ist. Dass Kinder mit ADHS die Welt eben anders erleben und anders mit ihr in Kontakt gehen und aber gleichzeitig in einem System leben, das gar nicht so sehr auf sie ausgelegt ist. Besonders das Schulsystem nicht, das ja auch für viele Kinder, die kein ADHS haben, gar nicht optimal ausgelegt ist.

Das Wichtigste ist also wahrscheinlich, sich immer wieder zu sagen, dass ADHS kein Produkt von Faulheit ist. Und dass Vorwürfe oder Bestrafungen das Verhalten per se nicht ändern werden. Im Gegenteil.

Struktur, Interessen und Bewegung

Lukas Maher

Und gleichzeitig profitieren aber auch viele Kinder mit ADHS von klaren Grenzen, von Struktur. Ich weiß es auch noch von mir: Immer dann, wenn die Dinge sehr direkt angesprochen wurden oder wenn es klare Grenzen gab bezüglich der Dinge, die ich machen darf und auch nicht machen darf, hat mir das Orientierung gegeben. Und Kinder mit ADHS profitieren eben häufig von klaren Routinen, von Unterstützung in Routinen, von Visualisierungen, von klaren To-do-Listen und von Unterstützung in der Strukturierung.

Und wichtig ist auch zu bedenken: Viele Kinder mit ADHS erleben häufig Misserfolge in der Schule. Das heißt nicht immer, dass sie per se schlechte Noten haben, aber dass sie häufig hinter den eigenen Leistungen oder dem, was sie glauben, erreichen zu können, zurückbleiben, weil sie oftmals gar nicht verstehen, dass sie mehr nach dem Prinzip „Interesse“ funktionieren. Ich hatte in Fächern, in denen ich ein hohes Interesse hatte, meistens Einsen und in denen, die mich nicht interessiert hatten, Vieren. Also dieses Notengefälle war bei mir sehr krass und das ist, glaube ich, bei einigen Kindern, die auch ADHS haben, nicht unüblich.

Und was mir immer total geholfen hat, war, mich auch körperlich auszulasten. Viele Kinder mit ADHS, gerade die, die sehr stark hyperaktiv sind, die brauchen Bewegung. Und Bewegung ist etwas, das sich auch aus Studien nachweislich gut auf die Aufmerksamkeit auswirkt, was sich gut auf die Überaktivität auswirkt und was sich gut auf die Impulsivität auswirkt.

Selbstfürsorge und Unterstützung für Eltern

Lukas Maher

Und ganz wichtig, gerade wenn man als Eltern das Kind dauerhaft gut unterstützen möchte, ist Selbstfürsorge. Es gibt Elterntrainings, Beratungsmöglichkeiten, aber auch Selbsthilfegruppen, in denen sich Eltern auch mal austauschen können. Auch über Erfahrungen, die sie gemacht haben. Nicht jeder Tipp steht ja in irgendeiner Studie drin. Vieles ist ja Trial-and-Error, so wie viele Eltern das schon gemacht haben.

Und manchmal hilft es auch einfach, zu merken, dass man mit dem Thema nicht allein ist. Und zu wissen, dass man es gar nicht perfekt machen muss, weil man es auch gar nicht perfekt machen kann. Ich glaube, das kann entlasten. Und diese Entlastung kommt natürlich auch dem Kind zugute.

Wissenschaftlich belegt sind drei hilfreiche Faktoren1:

  • eine strukturierte Lernumgebung
  • positives Feedback
  • eine enge Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften


Da die Bedürfnisse sehr individuell sind, wird ADHS multimodal2 betrachtet: Psychoedukation, Medikation, Verhaltenstherapie, Elterntraining und schulische Anpassungen können Teil des Angebots sein. Ergänzend haben sich auch Konzentrations- oder Selbstregulationstrainings als wirksam erwiesen.

Besonders empfehlen kann ich Bewegung. Studien3 zeigen, dass körperliche Aktivität das Arbeitsgedächtnis und motorische Fähigkeiten verbessern kann – auch wenn die Evidenzlage noch wächst. In Gruppensportarten können zusätzlich soziale Kompetenzen und Freundschaften gefördert werden, was vielen Kindern zugutekommt.

ADHS lässt sich zudem als neurobiologische Besonderheit verstehen. Kinder mit ADHS folgen oft stärker dem Prinzip „Interesse“: Mit der richtigen Förderung und in passenden Nischen können sie außerordentlich aufblühen – auch wenn sie beim Suchen und Dranbleiben gelegentlich Unterstützung brauchen.

5 kompakte Tipps:

  • Verständnis statt Vorwürfe: ADHS ist keine Faulheit oder Absicht, kein Erziehungsfehler, sondern eine neurobiologische Besonderheit. Verständnis ist essentiell, weil es Stress reduziert und die Eltern-Kind-Beziehung stärkt.
  • Struktur und Klarheit: Feste Abläufe, klare Regeln und visuelle Hilfen (z. B. Stundenplan sichtbar, To-Do-Listen, Timer) helfen Kindern, ihre Aufmerksamkeit besser zu steuern.
  • Kooperation mit der Schule: Frühzeitig mit Lehrkräften sprechen: Sitzplatzwahl, Pausenregelung, kurze Arbeitsaufträge. Oder Techniken, die bereits zuhause schon funktioniert haben.
  • Individuelle Entlastung: Bewegungspausen zulassen und fördern. Hilft insbesondere abends beim Runterkommen und wirkt sich positiv auf Konzentration und Unruhe aus.
  • Selbstfürsorge der Eltern: Wichtig zu betonen: Eltern müssen nicht alles perfekt machen. Unterstützung suchen ist nicht nur okay, sondern auch wichtig, wenn man sie braucht (Therapie, Elterntrainings, Austausch mit anderen) - entlastet auch das Kind.
     

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1Vgl. DGKJP, DGPPN, & GNP. (2018). Langfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“ (AWMF-Register Nr. 028-045). AWMF.
2Vgl. Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management. London: National Institute for Health and Care Excellence (NICE); 2019 Sep. PMID: 29634174.
3Vgl. Chan YS, Jang JT, Ho CS. Effects of physical exercise on children with attention deficit hyperactivity disorder. Biomed J. 2022 Apr;45(2):265-270. doi: 10.1016/j.bj.2021.11.011. Epub 2021 Nov 29. PMID: 34856393; PMCID: PMC9250090.
 

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