Schulpersonal und Lernende

Die BARMER Durchblickt Studie 2023
Bundesweite Erhebung zur Ermittlung digitaler Gesundheitskompetenz in der Lebenswelt Schule
Wie steht es eigentlich um die Vermittlung digitaler Gesundheitskompetenz in der Schule? Die in Kooperation mit der Hochschule Fulda und der TU München entstandene BARMER Durchblickt Studie geht genau dieser Frage nach. Erstmals wurde der Status digitaler Gesundheitskompetenz sowie das Erlernen und die Vermittlung digitaler Gesundheitskompetenz im Unterricht bei Schülerinnen und Schülern sowie dem Schulpersonal in einer repräsentativen Studie erfasst. Es zeigt sich ein dringender Handlungsbedarf, den das Präventionsprogramm BARMER Durchblickt mit seinem Angebot gezielt adressiert.
Einen Einblick in die Studie erhalten Sie im ausführlichen Studienbericht. Außerdem finden Sie hier das Konzept der digitalen Gesundheitskompetenz kompakt zusammengefasst.
Digitale Gesundheitskompetenz in der Schule – Interview zur BARMER Durchblickt Studie 2023
Transkript zum Video
Zwischenüberschriften und Sprecherbezeichnungen wurden zur besseren Orientierung redaktionell ergänzt.
Dieses Transkript wurde mithilfe von KI erstellt und kann vereinzelt Ungenauigkeiten enthalten.
Digitale Gesundheitskompetenz für junge Menschen
Astrid Funken
Die Digitalisierung ist längst in der Mitte des Lebens angekommen. Digitalisierung betrifft alle und betrifft alles und ganz besonders auch das Thema Gesundheit. Es ist wichtig zu lernen, digitale Gesundheitsanwendungen zu verstehen und sie für die eigene Gesundheit anzuwenden. Und das heißt, digitale Gesundheitskompetenz zu lernen. Wenn es darum geht, diese Kompetenzen zu erlernen, sind natürlich junge Menschen ganz besonders im Fokus. Deswegen richtet sich Durchblickt an Schülerinnen und Schüler. Wir wollen die digitale Gesundheitskompetenz bei Schülerinnen und Schülern fördern, und das machen wir, indem wir Lehrkräfte auf diesem Weg begleiten, aber auch Eltern auf diesem Weg begleiten und in die Lebenswelt Schule gehen. Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche dabei zu begleiten, damit sie gesund aufwachsen können.
Definition und Aufbau der Studien
Prof. Dr. Kevin Dadaczynski
Digitale Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit von Menschen, gesundheitsbezogene Informationen im Internet, aber auch in anderen digitalen Medien zu finden, sie zu verstehen, sie kritisch zu bewerten und insbesondere auch für die eigene Gesundheit einsetzen zu können. Wir haben zwei Studien durchgeführt: eine Studie mit Schulpersonal, das sind Lehrkräfte oder auch nicht unterrichtendes Personal, und eine zweite Studie mit Schülerinnen und Schülern. Die Studie mit Schülerinnen und Schülern in Deutschland wurde im Sekundarschulbereich I durchgeführt. Sie ist eine repräsentative Studie und wurde mit insgesamt über 1.400 Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Die Studie mit Schulpersonal ist eine nicht repräsentative Studie, wurde online umgesetzt, und teilgenommen haben über 1.100 Lehrkräfte.
Datenschutz, Vertrauenswürdigkeit und Lernen in der Schule
Prof. Dr. Kevin Dadaczynski
Wenn wir uns die Ergebnisse im Detail anschauen, dann können wir Gemeinsamkeiten zwischen Schülerinnen und Schülern sowie Schulpersonal feststellen. Wir finden, dass beide Gruppen die größten Schwierigkeiten haben, mit Fragen des Datenschutzes umzugehen. Das heißt zum Beispiel, zu entscheiden, wer welche Daten mitlesen kann, aber auch zu entscheiden, mit wem ich Daten über mich, aber auch Daten von anderen Personen, teile. Und die zweite Gemeinsamkeit sehen wir in der Vertrauenswürdigkeit von Gesundheitsinformationen, denn genau das fällt beiden Gruppen besonders schwer: immer zu entscheiden, ob es sich um eine gute oder um eine weniger gute Gesundheitsinformation handelt. Wir haben in unseren Studien ebenfalls danach gefragt, ob die digitale Gesundheitskompetenz ein Thema in der Schule ist, und das sowohl aus Sicht der Schülerinnen und Schüler als auch aus Sicht des Schulpersonals. Und die Ergebnisse sind hier recht deutlich. Die Schülerinnen geben in mehr als 50 Prozent der Fälle an, dass sie kaum oder gar nichts in der Schule über digitale Gesundheitskompetenz lernen. Das Schulpersonal ist hier deutlich kritischer. Hier sind es 30 bis 80 Prozent, die angeben, dass in der Schule kaum bis gar nichts über das Thema digitale Gesundheitskompetenz vermittelt wird.
Zusammenhänge mit Gesundheit und Medienkompetenz
Prof. Dr. Kevin Dadaczynski
Wir können deutliche Zusammenhänge zwischen der digitalen Gesundheitskompetenz und verschiedenen Aspekten der Gesundheit sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch beim Schulpersonal feststellen. So stellte sich heraus, dass Schülerinnen und Schüler, die ihre digitale Gesundheitskompetenz hoch einschätzen, auch häufiger Gemüse konsumieren und seltener Schokolade und andere Süßigkeiten verzehren. Auf der anderen Seite konnten wir feststellen, dass Schulpersonal, das seine digitale Gesundheitskompetenz hoch einschätzt, auch seine Gesundheit hoch einschätzt und umgekehrt. Medienkompetenzen sind bereits ein verbindlicher Bestandteil des Lehrplans in allen Bundesländern. Die digitale Gesundheitskompetenz ist kein verbindlicher Bestandteil, muss aber mit den Medienkompetenzen systematisch verknüpft werden. Es ist wichtig zu verstehen, dass beide Konzepte nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, denn wenn wir uns die Medienkompetenz anschauen, dann finden wir hier ähnliche Dimensionen und ähnliche Inhalte. Das heißt, digitale Gesundheitskompetenz wäre Medienkompetenz am Beispiel von Gesundheit.
Das Präventionsprogramm BARMER Durchblickt
Astrid Funken
Die Studienergebnisse zeigen ja sehr eindeutig, dass wir Handlungsbedarf haben. Handlungsbedarf sowohl bei Schülerinnen und Schülern, aber auch bei Lehrkräften. Mit dem Projekt DURCHBLICKT! setzen wir genau da an. DURCHBLICKT! ist ein ganzheitliches Präventionsprogramm. DURCHBLICKT! ist eine digitale Plattform, auf der Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern ganz viele Informationen und Mitmachangebote finden. Ein wesentliches Kernstück sind dabei ausgearbeitete Lehrerhandreichungen, die so im Unterricht eingesetzt werden können. Sie können fächerübergreifend und altersübergreifend eingesetzt werden. Dabei greifen wir Themen auf, wie zum Beispiel digitale Einsamkeit oder: Wie erkenne ich, dass eine Information valide ist, dass sie sicher ist, dass ich sie auch so nutzen kann? Wir greifen aber auch Themen auf wie Cybermobbing, Datenschutz insgesamt oder Körperbilder. Das ist das Schöne an der digitalen Gesundheitskompetenz. Kein Thema ist ausgeschlossen, sondern alle Themen, die auch zum Thema Gesundheit gehören, sind hier integriert.
Interview zur BARMER Durchblickt Studie mit Projektleitung Astrid Funken (BARMER) und Prof. Dr. Kevin Dadaczynski (Universität Potsdam))
Astrid Funken und Prof. Dr. Kevin Dadaczynski sprechen über die wichtgsten Erkenntnisse der BARMER Durchblickt Studie von 2023 und betonen die Dringlichkeit eines Präventionsprogramms, das die digitale Gesundheitskompetenz in Schulen und Familien fördert.
Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst
Bundesweit
Schulformübergreifend — Sek I
42%
des Schulpersonals weist eine geringe digitale Gesundheitskompetenz auf.
42%
des Schulpersonals weist eine geringe digitale Gesundheitskompetenz auf.
- Das Schulpersonal hat am meisten Schwierigkeiten bei: Schutz der Privatsphäre/Datenschutz, Bestimmung der Alltagsrelevanz und der Bewertung der Qualität.
- Schülerinnen und Schüler haben die meisten Schwierigkeiten bei: Schutz der Privatsphäre/Datenschutz, Fähigkeit der Navigation und ebenfalls Bewertung der Qualität.
Dass digitale Gesundheitskompetenz in diesen Bereichen nicht oder eher nicht gelehrt und gelernt wird, berichten …

Balkendiagramm mit Vergleich der digitalen Gesundheitskompetenz von Schulpersonal und Schülerinnen/Schülern in sieben Bereichen. Werte in Prozent: Operative Fähigkeiten – Schulpersonal 29,6 %, Schüler 49,4 %; Erstellung eigener Inhalte – Schulpersonal 80,2 %, Schüler 55,1 %; Fähigkeit zur Navigation – Schulpersonal 57,4 %, Schüler 49,7 %; Schutz der Privatsphäre/Datenschutz – Schulpersonal 61,5 %, Schüler 49,6 %; Informationssuche – Schulpersonal 63,5 %, Schüler 50,8 %; Bestimmung der Relevanz – Schulpersonal 73,5 %, Schüler 52,4 %; Bewertung der Qualität – Schulpersonal 69,3 %, Schüler 49,4 %.
… Prozent des Schulpersonals sowie der Schülerinnen und Schüler.
Deshalb setzt BARMER Durchblickt genau hier an
Durch eine modulare Fortbildung, unterstützende Ready-to-Teach-Unterrichtsmaterialien, hilfreiche Artikel und praxisorientierte Tipps stärkt das bundesweite Präventionsprogramm die digitale Gesundheitskompetenz von Lehrkräften und Eltern. Damit können sie das Wissen nachhaltig an ihre Kinder, Schülerinnen und Schüler weitergeben – ein wichtiger Baustein für den kompetenten Umgang mit gesundheitsrelevanten Online-Informationen und damit für gesundes Aufwachsen.